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Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Chefarzt
Dr. med. Lothar Biermann

Chirurgisches Sekretariat:
Tel.: 02921 90-1034
Fax: 02921 90-1033

Öffnungszeiten des Sekretariates:
Mo. bis Fr. 8:00 bis 16:00 Uhr

Sprechstunden:
Termine nach Vereinbarung

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Schilddrüsen-Zentrum Soest

Die Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ. Sie ist Schrittmacher für viele Funktionen im Körper. Erkrankungen der Schilddrüse haben daher meist weitreichende Folgen: Sie können sich auf zahlreiche andere Organe auswirken und sehr unterschiedliche Symptome und Beschwerden verursachen.

Aufgrund ihrer Vielgestaltigkeit werden Schilddrüsenerkrankungen und deren Folgen häufig von Ärzten ganz unterschiedlicher Fachrichtungen untersucht und behandelt. Eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die gute und enge Zusammenarbeit der beteiligten Ärzte. Das sind neben dem Hausarzt in erster Linie Nuklearmediziner, Chirurgen und Endokrinologen. Nicht selten werden auch andere Spezialisten zum Beispiel aus der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder der Inneren Medizin mit einbezogen.

Zur besseren Abstimmung und Vernetzung haben wir das SchilddrüsenZentrum Soest gegründet. Die gemeinsame Arbeit dient der optimalen medizinischen Versorgung von Schilddrüsenerkrankungen.
Darüber hinaus sind wir dem Deutschen Schilddrüsenzentrum angeschlossen. Diese Initiative vernetzt überregional verschiedene Schilddrüsenzentren. Verpflichtend für die Mitgliedschaft im Deutschen Schilddrüsenzentrum sind die Einhaltung strenger Qualitätsstandards und die regelmäßige Qualitätskontrolle durch Dokumentation und Nachverfolgung aller Operationsergebnisse.

Anatomie und Funktion der Schilddrüse

Das kleine schmetterlingsförmige Organ ist ein wichtiger hormoneller Schrittmacher im menschlichen Körper. Schilddrüsenerkrankungen können daher weitreichende Folgen für die Gesundheit haben.
Wo befinden sich Schilddrüse und Nebenschilddrüse?

Die Schilddrüse (Lateinische Bezeichnung: Glandula thyreoidea) liegt an der Vorderseite des Halses unterhalb des Schildknorpels des Kehlkopfes, wodurch sich auch ihr Name erklärt. Sie besteht aus zwei Hauptlappen, die durch eine schmale Gewebebrücke (Isthmus) vor der Luftröhre miteinander verbunden sind. Dieser Aufbau zeigt das für die Schilddrüse typische Bild eines Schmetterlings.

Ein gesundes Organ ist etwa daumengroß und wiegt bei einem Erwachsenen im Schnitt zwischen 18 Gramm (Frauen) und 25 Gramm (Männer). Die Schilddrüse befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Strukturen, die an der Stimm- und Sprachbildung beteiligt sind. Besonders bedeutsam ist der zarte Stimmbandnerv (Nervus laryngeus recurrens), der hinter der Schilddrüse zur Kehlkopfmuskulatur verläuft.

Hinter jedem Schilddrüsenlappen liegt am jeweils oberen und unteren Pol in der Regel eine Nebenschilddrüse, die ihren Namen ihrer anatomischen Lage im Körper verdankt. Es handelt sich dabei um etwa reiskorngroße Drüsen, die das Hormon Parathormon bilden. Dieses Hormon steuert über verschiedene Mechanismen die Blutkonzentration von Kalzium und anderen Spurenelementen im Körper. Kalzium wiederum beeinflusst die Nerven- und Muskelfunktion sowie den Knochenstoffwechsel. Etwa 90 Prozent der Menschen besitzen vier Nebenschilddrüsen. Die anderen haben entweder weniger oder mehr Nebenschilddrüsen. Manche Menschen haben sogar mehr als zehn Nebenschilddrüsen.

Welche Aufgaben hat die Schilddrüse?

In der Schilddrüse werden aus Jod und anderen Substanzen die Schilddrüsenhormone gebildet. Diese Botenstoffe sind Bestandteile eines hormonellen Regelkreises und steuern als solche fast alle wichtigen Körperfunktionen. Sie wirken auf Herz und Kreislauf, erweitern die Blutgefäße, beschleunigen den Herzschlag und regeln den Blutdruck. Sie aktivieren aber auch den Fett- und Bindegewebsstoffwechsel, die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut und die Nieren- und Darmtätigkeit. Außerdem sind die Schilddrüsenhormone wesentlich für viele Wachstumsprozesse verantwortlich und steigern den Grundumsatz und Energieverbrauch des gesamten Organismus.

Schilddrüsenhormone wirken vor allem auf...

  • Herzaktivität und Blutdruck
  • Energiestoffwechsel, Körpergewicht
  • Kohlehydratstoffwechsel, Insulinproduktion
  • Fett- und Eiweißstoffwechsel, Cholesterinwerte
  • Gehirnaktivität, Psyche
  • Muskelstoffwechsel, Muskelkraft
  • Darmtätigkeit, Verdauung
  • Wachstum und Reifung von Ungeborenen im Mutterleib und von Kindern

Erkrankungen der Schilddrüse

Welche Erkrankungen der Schilddrüse gibt es?
Schilddrüsenerkrankungen können in jedem Lebensalter auftreten. Beinahe jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat mindestens eine krankhafte Schilddrüsenveränderung. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter.

Grundsätzlich wird zwischen Fehlfunktionen (Über- und Unterfunktion) und Veränderungen in Größe und Beschaffenheit (Vergrößerungen, Knoten, Tumore) der Schilddrüse unterschieden. Häufig bestehen Überschneidungen und Mischformen. Dabei sagt eine strukturelle Veränderung allerdings noch nichts über die Funktion des Organs aus und umgekehrt.

Wir haben die wichtigsten Erkrankungen im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenoperation für Sie auf dieser Seite zusammengestellt: Struma, Knoten, Unterfunktion, Überfunktion, Morbus Basedow, Entzündungen und Hashimoto sowie Schilddrüsenkrebs.

Struma (Schilddrüsenvergrößerung)

Eine krankhaft vergrößerte Schilddrüse wird als Struma bezeichnet. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Drüsenschwellung oder Geschwulst. Im Volksmund wird eine Struma auch Kropf genannt. Strumen sind außerordentlich häufig. Je nachdem wie stark die Schilddrüse vergrößert ist, unterscheidet man drei Struma-Grade nach WHO (Weltgesundheitsorganisation): Von Grad 0, wenn sich die Schilddrüsenvergrößerung nur im Ultraschall feststellen lässt, bis Grad III, wenn die Struma sehr groß und bereits äußerlich sichtbar ist.

Bei einer Ausbreitung nach innen kann man von außen nichts erkennen. Durch das Größenwachstum entstehen jedoch lokale Beschwerden und Missempfindungen. Wenn die Schilddrüse auf die Luft- oder Speiseröhre drückt, können zusätzlich Atem- und Schluckprobleme auftreten. Manchmal wächst die Schilddrüse auch hinter dem Brustbein bis in den Brustkorb hinein (retrosternale Struma). Dadurch können Beschwerden von Seiten des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge ausgelöst werden.

 

Knoten

Im Gegensatz zur diffusen Schilddrüsenvergrößerung, bei der sich alle Zellen der Schilddrüse gleichmäßig vergrößern, handelt es sich bei Schilddrüsenknoten (Struma nodosa) um ein oder mehrere krankhafte Areale, die sich vom normalen Schilddrüsengewebe abgrenzen. Hierbei kann es sich im Einzelnen um sehr unterschiedliche Veränderungen handeln.

Bei der Struma nodosa werden z.B. unterschieden:

  • Adenom (Drüsenwucherung, gutartig)
  • Zyste (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, gutartig)
  • Vernarbung, Verkalkung (gutartig)
  • Struma maligna (Schilddrüsenkrebs, bösartig)

Manchmal gibt es nur einen Knoten (Struma uninodosa). Häufig sind jedoch gleich mehrere verschiedene Knoten nebeneinander zu finden. Und nicht selten besteht auch die gesamte Schilddrüse nur noch aus Knoten (Struma multinodosa).

Schilddrüsenknoten wachsen in aller Regel langsam. Kleine Knoten bemerkt der Patient selbst oft nicht einmal. Bei größeren Knotenbildungen stellen sich ähnliche Beschwerden wie bei der Struma ein.

Nur der heiße Knoten speichert Jod und ist im Szintigramm als gelb-roter Kreis (Knoten) sichtbar.

Während die gesunde Restschilddrüse Jod aufnimmt, entspricht der Speicherdefekt einem kalten Knoten. Dieser stellt sich als dunkler Bereich im linken Schilddrüsenlappen dar.

Je nachdem, ob und wie viel Jod ein solcher Knoten bei einer Szintigrafie aufnimmt, bezeichnet man ihn als „heiß", „warm" oder „kalt". Warme Knoten sind aktiver als normales Schilddrüsengewebe und produzieren demnach auch mehr Hormone. Kalte Knoten hingegen speichern weniger Jod und können ein Hinweis auf Schilddrüsenkrebs sein. Allerdings ist nur ein sehr kleiner Teil der kalten Knoten wirklich bösartig.

Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hat verschiedene Ursachen. In den allermeisten Fällen liegen die Gründe für die Unterfunktion der Schilddrüse im Organ selbst: Sie kann bei Geburt zum Beispiel komplett fehlen oder zu klein für die Versorgung des Körpers mit den lebenswichtigen Schilddrüsenhormonen sein. Deutlich häufiger wird die Schilddrüsenunterfunktion jedoch im Lauf des Lebens erworben.

Dies kann durch Verlust oder eine Zerstörung von ursprünglich funktionsfähigem Schilddrüsengewebe geschehen. Am häufigsten ist sie Folge einer Hashimoto-Thyreoiditis, einer chronischen Schilddrüsenentzündung.

Im Erwachsenenalter entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion meist schleichend, anfangs treten keine oder kaum Beschwerden auf. Symptome machen sich in der Regel erst bei einer stärkeren Unterfunktion bemerkbar. Die Beschwerden müssen nicht alle auftreten und können auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Für eine Hypothyreose typische Anzeichen sind:

  • extreme Müdigkeit, übermäßig schnelle Erschöpfung
  • depressive Verstimmung
  • Konzentrationsstörungen
  • Antriebsmangel
  • Kopfschmerzen
  • Desinteresse
  • Kälteempfindlichkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Verstopfung
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • kühle, trockene Haut
  • geschwollenes Gesicht, geschwollene Zunge und Augenpartien stumpfe Haare, Haarausfall
  • Gewichtszunahme

Die Behandlung der Hypothyreose besteht in der Gabe von künstlichem Schilddrüsenhormon in Tablettenform. Bei richtiger Dosierung ist die Behandlung in der Regel frei von Nebenwirkungen.
Unter einer individuell eingestellten Hormongabe normalisieren sich die zuvor bestehenden Beschwerden und die körperlichen und psychischen Veränderungen meist rasch und es ist mit einem unkomplizierten Verlauf zu rechnen: Leistungsfähigkeit oder Lebensdauer sind in keiner Weise eingeschränkt.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen.

Typische Anzeichen einer Hyperthyreose sind:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Hoher Blutdruck
  • Nervosität
  • Innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Gewichtsverlust
  • Durchfall
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Zyklusstörungen bei der Frau
  • Haarausfall
  • Stimmungsschwankungen bis hin zur Aggressivität
  • Erschöpfung und Kraftlosigkeit

Im schlimmsten Fall kann der Patient in ein Koma fallen und an den Folgen sterben. Die wichtigsten Ursachen einer Hyperthyreose sind die Schilddrüsenautonomie und die Basedowsche Erkrankung.

Bei einer Schilddrüsenautonomie werden unabhängig von den Steuerungsmechanismen der Hirnanhangdrüse zu viele Schilddrüsenhormone produziert. Das kann in einem oder mehreren größeren Knoten (Adenome) oder aber diffus in der gesamten Schilddrüse geschehen (disseminierte Autonomie). Eine einmal bestehende Autonomie heilt in der Regel nicht spontan aus. Daher ist meist eine definitive Behandlung durch eine Operation oder eine Radiojodtherapie empfehlenswert.

Morbus Basedow

Bei der Autoimmunerkrankung Typ Morbus Basedow bildet der Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Teile der Schilddrüse. Diese regen die Schilddrüse zur vermehrten Hormonproduktion an, wodurch es in der Folge zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommt. Die Erkrankung betrifft die gesamte Schilddrüse und nicht nur bestimmte Areale.

Außerdem kann die Basedowsche Erkrankung auch andere Organe befallen. Besonders gefürchtet ist die Mitbeteiligung der Augen (endokrine Orbitopathie). Etwa 60 Prozent der Patienten sind betroffen. Daher sind Kontrollen durch einen Augenarzt ratsam. Bei der endokrinen Orbitopathie kommt es zu Schwellungen und Gewebevermehrungen um die Augen und in den Augenmuskeln. Das kann vielfältige Auswirkungen auf die Augenfunktion und Sehkraft haben. Charakteristisch ist das Auftreten von so genannten „Glupsch- oder Glotzaugen" (Exophtalmus).

Eine ursächliche Behandlung des Morbus Basedow gibt es bisher nicht. Zunächst wird die Überproduktion der Schilddrüsenhormone behandelt. Der Patient bekommt Medikamente, die die Bildung der Schilddrüsenhormone bremsen, sogenannte „Thyreostatika". Es ist bekannt, dass sich die Überfunktion bei etwa 40 Prozent der Patienten im Verlauf von 12 bis 18 Monaten von selbst wieder bessern kann und die Patienten dann keine weiteren Thyreostatika mehr einnehmen müssen. Umgekehrt kommt es bei etwa 60 Prozent der Patienten nach Absetzen der Thyreostatika zu einer erneuten oder bleibenden Hyperthyreose. Spätestens dann ist eine definitive Therapie durch eine Radiojodtherapie oder eine Operation angezeigt.

Da die Behandlung mit Thyreostatika nicht frei von im Einzelfall schwerwiegenden Nebenwirkungen ist und viele Patienten im Verlauf doch definitiv behandelt werden müssen, wird zum Beispiel von Schilddrüsenexperten in Nordamerika und weiten Teilen Asiens generell eine möglichst frühzeitige Therapie zur Beseitigung der Schilddrüse befürwortet. Dadurch wird die Behandlungszeit in jedem Fall erheblich verkürzt. In Deutschland wird häufig zunächst ein Behandlungsversuch mit Thyreostatika über einen Zeitraum von etwa 12 Monaten versucht.

Das im Einzelfall beste Vorgehen und die Entscheidung für eine frühe oder spätere Radiojodtherapie oder Operation hängt natürlich ganz wesentlich von der konkreten Befundkonstellation und den Wünschen des Patienten ab. So ist zum Beispiel bei großen Schilddrüsen, sehr hohen Entzündungswerten und bei zusätzlichen Knoten eine frühzeitige operative Therapie empfehlenswert.

Das gilt prinzipiell auch bei einer begleitenden Orbitopathie, da sich die Operation günstiger auf den weiteren Verlauf auswirkt und sich eine Orbitopathie unter einer Radiojodtherapie verschlechtern kann. Da sich zum Beispiel auch Rauchen sehr ungünstig auf den Verlauf bei Morbus Basedow auswirkt, ist bei starken Rauchern eine spontane Erholung sehr unwahrscheinlich. Dann sollte besser eine frühe ablative Therapie erfolgen.

Entzündungen und Hashimoto

THYREOIDITIS

Unter einer Thyreoiditis versteht man eine Entzündung der Schilddrüse. Sie macht etwa ein bis drei Prozent aller Schilddrüsenerkrankungen aus.
Es gibt verschiedene Formen, die wiederum auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind und ein jeweils eigenständiges Krankheitsbild darstellen. Neben akut auftretenden Entzündungen gibt es langsam verlaufende sowie chronische Entzündungen. Eine Schilddrüsenentzündung kann sich auf ein bestimmtes Areal beschränken oder diffus im Schilddrüsengewebe verteilt auftreten.
Am häufigsten sind Entzündungen im Rahmen von so genannten Autoimmunerkrankungen. Dabei bildet der Körper aus bisher nicht geklärter Ursache Abwehrstoffe – Antikörper – gegen seine eigene Schilddrüse. Dadurch kommt es zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse.

Autoimmunthyreoiditis Typ Hashimoto

Ursachen

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist mit zirka 80 Prozent die häufigste Form der Schilddrüsenentzündung. Frauen sind etwa neunmal häufiger betroffen als Männer. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Möglicherweise spielt eine zu hohe Jodzufuhr eine Rolle. Manchmal leiden Patienten gleichzeitig unter mehreren Autoimmunerkrankungen. Auch familiäre Häufungen werden beobachtet. Die chronische Entzündung führt auf Dauer in der Regel zu einer Zerstörung der Schilddrüse.

Beschwerden

Schmerzen oder Missempfindungen am Hals sind die Ausnahme oder sind so leicht, dass man ihnen keine Bedeutung beimisst. Gelegentlich ist der Zerstörungsvorgang in der Schilddrüse so heftig, dass die Patienten unter lokalen Schmerzen am Hals leiden. Häufig macht sich die Hashimoto-Thyreoiditis erst durch die Folgen des Funktionsausfalls bemerkbar.

Diagnose

Bei den meisten Patienten entwickelt sich durch die schleichende Entzündung früher oder später eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit den charakteristischen Symptomen. Allerdings gibt es auch akute Entzündungsphasen, die mit einer zeitweisen Überfunktion (Hyperthyreose) einhergehen.

Durch die Bestimmung der Schilddrüsenhormone kann sich ein erster Hinweis auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse ergeben. Bei der Ultraschalluntersuchung lässt sich häufig ein typisches Bild mit verminderter Echostruktur und gesteigerter Durchblutung feststellen. Je nach Erkrankungsstadium kann die Schilddrüse vergrößert, verkleinert oder sogar kaum noch erkennbar sein.

Die szintigraphische Untersuchung der Schilddrüse ergibt am Anfang oft einen unauffälligen Befund. Später verringert sich die Kontrastmittelaufnahme als Ausdruck der Funktionseinbuße.

Der Schlüssel für die Diagnosefindung und vor allem für die Abgrenzung zu anderen Autoimmunerkrankungen ist die Bestimmung verschiedener Antikörper-Werte im Blut. Charakteristisch, jedoch noch nicht beweisend ist der Nachweis und die Erhöhung des Wertes der Schilddrüsenperoxidase (TPO). Eine Erhöhung der TPO-Titer findet sich allerdings auch bei einem Teil der Patienten mit einem Morbus Basedow, mit einer normalen Struma, bei Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen und teilweise auch bei Gesunden.

Therapie

Eine ursächliche Therapie gibt es bislang nicht. In akuten Entzündungsphasen mit lokalen Beschwerden ist manchmal eine entzündungshemmende medikamentöse Therapie erforderlich. Die Organzerstörung durch die Autoimmunabwehr kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die sich ausbildende Funktionseinschränkung der Schilddrüse wird mit der Gabe von Schilddrüsenhormon (L-Thyroxin) in Tablettenform behandelt. Damit kann man die Hypothyreose und ihre Folgen komplett verhindern.

Da eine vermehrte Jodzufuhr eine Rolle bei der Entstehung einer Hashimoto-Thyreoiditis spielen kann und möglicherweise auch schlecht für den weiteren Verlauf ist, sollte Jod bei einer Hashimoto-Thyreoiditis auf keinen Fall in Tablettenform eingenommen und auch bei der Nahrungsaufnahme eher gemieden werden.

Subakute Thyreoiditis (Thyreoiditis de Quervain)

Ursache

Bei der Thyreoiditis de Quervain handelt es sich um eine durch Viren ausgelöste Form der Schilddrüsenentzündung. Der Begriff „subakut" beschreibt den etwas langsameren Beginn und Verlauf im Vergleich zu der oben genannten akuten Entzündung. Bei dieser Erkrankung gibt es sehr unterschiedliche Verläufe.

Beschwerden

Manche Patienten verspüren nur leichte oder keine Beschwerden. Andere klagen über ein allgemeines Krankheitsgefühl, hohes Fieber, Schüttelfrost und lokalen Schmerz. Recht typisch ist der Druckschmerz in der Schilddrüsenregion und die Ausstrahlung in den Kiefer und die Ohren. Die Patienten berichten öfter über vorausgegangene Erkältungen und grippale Infekte.

Diagnose

Die Angaben und Beschwerden des Patienten ergeben bereits wichtige Hinweise und den Verdacht auf eine Schilddrüsenentzündung. Nach der körperlichen Untersuchung wird eine Blutprobe entnommen. Es wird nach allgemeinen Entzündungszeichen gesucht. Typisch ist eine deutliche Beschleunigung der Blutsenkung. Manchmal sind die Schilddrüsenhormonwerte zu Krankheitsbeginn auch erhöht, vorübergehend treten Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion auf.

Die Bestimmung der Schilddrüsenantikörper ergibt kein charakteristisches Bild und ist somit nicht richtungsweisend. Eine wichtige Rolle spielt dagegen die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Dabei findet man unscharf begrenzte, echoarme Bereiche in einem oder beiden Lappen. Im zeitlichen Verlauf über Wochen und Monate kann sich das sonografische Bild deutlich ändern.

Neben der sonographischen Untersuchung hat die Szintigraphie der Schilddrüse eine wichtige Bedeutung. Sie zeigt in den betroffenen Anteilen oder im ganzen Organ eine verminderte Aufnahme von Technetium (Kontrastmittel). In unklaren Fällen kann eine Feinnadelpunktion der betroffenen Schilddrüsenareale zur Klärung der Diagnose führen.

Therapie

Eine ursächliche Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Meistens ist es ausreichend, die lokalen Schmerzen und das allgemeine Krankheitsgefühl zu behandeln. Nur bei sehr schweren Verläufen wird es nötig, Cortison zur Entzündungsbekämpfung einzusetzen. Während es langsam zu einer Rückbildung der lokalen Beschwerden und des Krankheitsgefühls kommt, normalisieren sich parallel die Blutveränderungen, der sonographische Befund und das Szintigramm. Die Erkrankung heilt in der Mehrzahl der Fälle ohne Spätfolgen und bleibende Schäden aus.

Akute Thyreoiditis

Es handelt sich um eine eitrige Entzündung der Schilddrüse, die durch Bakterien verursacht wird. Diese gelangen meistens über die Blutbahn in die Schilddrüse und lösen dort eine schwere lokale Reaktion mit Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Rötung und Schwellung aus. Dazu kommen allgemeine Beschwerden wie Fieber, Schweißausbrüche, Herzrasen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Diese Entzündung ist sehr selten. Die Behandlung besteht im Wesentlichen in einer gezielten Antibiotikagabe mit oder ohne Operation.

Weitere Formen

Es gibt noch weitere Entzündungsformen wie z.B. die postpartale Thyreoiditis (subakute lymphozytäre Thyreoiditis der Mutter nach der Geburt eines Kindes), die Thyreoiditis nach Radiojod- oder Strahlentherapie, als Begleiterscheinungen bei anderen Erkrankungen oder nach Gabe bestimmter Medikamente. Die meisten dieser Entzündungen werden primär symptomatisch, d.h. beschwerdelindernd behandelt und haben meist eine gute Prognose.

Schilddrüsenkrebs

Während Schilddrüsenknoten eine Volkskrankheit sind, ist Schilddrüsenkrebs vergleichsweise selten. Deutlich weniger als ein Prozent aller Schilddrüsenknoten sind bösartig.

Je früher ein Krebs festgestellt und operiert wird, umso besser sind die Heilungschancen. Meist verursacht Schilddrüsenkrebs in sehr frühen Stadien jedoch keine Probleme oder Schmerzen. Erst wenn der Tumor größer ist, erzeugt er Beschwerden, die den Betroffenen darauf aufmerksam machen und Anlass zu weiteren Untersuchungen sind. Auch ein rasches Wachstum eines Knotens deutet oft auf eine bösartige Veränderung hin.

Daher ist das rechtzeitige Herausfiltern krebsverdächtiger Knoten aus der großen Masse der vielen harmlosen Schilddrüsenknoten eine große Herausforderung an die Schilddrüsendiagnostik. Ein erfahrener Arzt kann aus den Befunden von Ultraschalluntersuchung, Szintigrafie und Blutuntersuchung bereits ein relatives Bösartigkeitsrisiko ableiten.

Von der Gewebeart her lassen sich verschiedene Formen von Schilddrüsenkrebs unterscheiden. Am häufigsten sind diese vier Typen vertreten:

  • Papilläres Karzinom:
    Der mit Abstand häufigste Schilddrüsenkrebs ist das papilläre Karzinom. Es gehört zu den differenzierten Schilddrüsenkrebsen. Das bedeutet, dass diese Krebse noch eine gewisse „Verwandtschaft" mit normalen Schilddrüsenzellen haben und Jod aufnehmen. Daher wird die Operation in der Regel mit einer zusätzlichen Radiojodtherapie verbunden. Papilläre Krebse können gleichzeitig an mehreren Stellen in der Schilddrüse auftreten (multifokales Wachstum) und neigen zu Absiedelungen in die umgebenden Lymphdrüsen (Lymphknotenmetastasen).

  • Follikuläres Karzinom:
    Das follikuläre Karzinom ist der zweithäufigste Schilddrüsenkrebs. Es gehört ebenfalls in die Gruppe der differenzierten Schilddrüsenkrebse. Follikuläre Karzinome neigen eher zu Fern- als zu lokalen Lymphknotenmetastasen. Dieser Krebstyp kann Jod speichern und wird meist durch eine zusätzliche Radiojodtherapie behandelt.

  • Medulläres Karzinom:
    Das medulläre Karzinom geht nicht von den eigentlichen Schilddrüsenzellen, sondern von den Calcitonin produzierenden Zellen aus. Das Hormon kann als Tumormarker im Blut festgestellt werden. Eine Radiojodtherapie ist in diesem Fall wirkungslos.
    Bei etwa 15 Prozent dieser Krebse liegt eine vererbte Form vor. Daher sollte bei Patienten mit einem medullären Karzinom eine genetische Beratung und Untersuchung der Familienangehörigen erfolgen. Das Karzinom neigt zu frühzeitigen Absiedelungen in die Lymphknoten.

  • Undifferenziertes Karzinom:
    Bei undifferenzierten Karzinomen handelt es sich um eine Gruppe von Krebsen, die keinerlei Gemeinsamkeiten mit normalen Schilddrüsenzellen haben. Radiojod ist wirkungslos. Diese Tumorart schreitet häufig schnell fort und die Prognose ist nicht ganz so günstig.

Andere Krebsarten oder Metastasen anderer Tumore kommen vor, sind aber sehr selten.

Diagnose

Vor der Therapie steht die gründliche Untersuchung der Schilddrüse und ihrer Umgebung.

Welche modernen Diagnoseverfahren gibt es?

Der behandelnde Arzt wird sich zunächst in einem ausführlichen Patientengespräch ein Bild über Beschwerden, Vorerkrankungen, Schilddrüsenkrankheiten in der Familie und Essgewohnheiten machen. Durch das Abtasten der Halsregion können mögliche Vergrößerungen der Schilddrüse meist schon von außen erfühlt und beurteilt werden.

Ultraschall
Das wichtigste bildgebende Diagnose-Verfahren ist die Schilddrüsen-Sonografie. Dabei wird die Halsregion mit einem Schallkopf von außen untersucht. Das Ultraschallbild lässt Rückschlüsse auf Größe, Lage, Form und Gewebebeschaffenheit der Schilddrüse zu. Mit modernen Geräten können Knoten bereits ab einer Größe von wenigen Millimetern erkannt werden.

Die Untersuchung ist strahlenfrei und nicht mit Nebenwirkungen verbunden. Sie kann daher beliebig oft bei einem Patienten eingesetzt werden und eignet sich daher sehr gut auch zur Verlaufsbeobachtung. Die Ultraschalluntersuchung ist die wichtigste Methode zum frühzeitigen Erkennen von krankhaften strukturellen Veränderungen wie Vergrößerungen und Knoten und wird daher großzügig eingesetzt. Auch der Krankheitsverlauf nach operativen Eingriffen kann per Ultraschall kontrolliert werden. Bei der Sonografie wird das Volumen jedes Schilddrüsenlappens in Millilitern (ml) bestimmt. Auch die Größe von Knoten, Zysten und anderen krankhaften Veränderungen kann hierdurch exakt ausgemessen werden. Das auf diese Weise erzeugte Bild gibt jedoch keine Auskunft über die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse.

Szintigrafie
Szintigrafien sind nuklearmedizinische Untersuchungen, mit denen die Aufnahme und Verteilung einer schwach radioaktiven Substanz im Körper beurteilt werden kann. Zur Untersuchung der Schilddrüse gibt es verschiedene Arten. Am häufigsten kommt die Technetium-Szintigrafie zum Einsatz. Da sich Technetium im Körper wie Jod verhält, wird die Jodaufnahme der Schilddrüse beurteilt. Die Verteilung des Jods wiederum erlaubt Rückschlüsse auf die Funktion der Schilddrüse und kann Hinweise auf verschiedene Erkrankungen geben.

Areale in der Schilddrüse, in denen kein oder sehr wenig Jod aufgenommen wird, nennt man „kalt". Areale mit überproportionaler Aufnahme von Jod werden als „warm" bezeichnet, bei sehr starker Speicherung als „heiß". Kalte Knoten produzieren keine Schilddrüsenhormone, es handelt sich meist um Zysten, um gutartige Tumore, manchmal auch um einen Krebs. Warme oder heiße Knoten führen zur Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, es handelt sich meist um so genannte autonome Adenome.

Die Begriffe „kalt", „warm" und „heiß" beziehen sich schlichtweg auf die Farbgebung im Szintigramm, die in den 1950er Jahren allgemeingültig vereinbart und bis heute beibehalten wurden. Aktives Gewebe wird in warmen Farben (in Rot und Gelb) dargestellt. Knoten oder Schilddrüsengewebe mit reduzierter Aktivität werden im Szintigramm in kühleren (kalten) Farben wie Blau oder Violett dargestellt.

Für die normale Szintigrafie der Schilddrüse wird wegen der geringeren Strahlenbelastung in der Regel kein radioaktiv markiertes Jod, sondern radioaktives Technetium verwendet. Dieses verhält sich im Körper wie Jod. Es wird nur von der Schilddrüse aufgenommen, dort aber nicht gespeichert und vom Körper nach kurzer Zeit wieder ausgeschieden. In der Regel wird die radioaktive Substanz über eine Kanüle in die Armvene verabreicht, bisweilen kann das Mittel auch geschluckt werden. Die Zeit, bis eine optimale Darstellung gelingt, beträgt meist etwa eine Viertelstunde.

Die radioaktiven Strahlen werden von einem Aufnahmegerät (z. B. Gamma-Kamera) registriert. Durch Messung der radioaktiven Aktivität gewinnt der Arzt Bilder, die er mit Hilfe eines Computers auswertet. Strukturen, die viel Kontrastsubstanz aufgenommen haben (z. B. so genannte heiße Knoten), werden farblich anders dargestellt als Bereiche mit geringerer Anreicherung. So entsteht ein zweidimensionales Bild in unterschiedlichen Farbschattierungen, ein so genanntes Szintigramm.

Neben dem Technetium-Szintigramm zur Basisdiagnostik gibt es auch noch andere szintigrafische Untersuchungen zur Beantwortung spezieller Fragestellungen. So zum Beispiel das Suppressions-Szintigramm zur weiteren Abklärung bei warmen und heißen Knoten, das Jod-Szintigramm vor einer Radiojodtherapie oder in der Krebsnachsorge sowie das Sestamibi-Szintigramm zur Beurteilung der Stoffwechselaktivität kalter Knoten.

Blutuntersuchungen
Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung können unterschiedliche Blutuntersuchungen Informationen liefern.

Die wichtigsten Untersuchungen sind:

  • TSH-Wert:
    TSH (Thyroidea Stimulierendes Hormon) wird von der Hirnanhangdrüse gebildet und steuert die Schilddrüsenaktivität. TSH ist ein empfindlicher Marker, mit dem bereits drohende Fehlfunktionen frühzeitig festgestellt werden können. Ist der TSH -Wert im Blut zum Beispiel zu niedrig, während die Schilddrüsenhormonwerte aber noch normal sind, handelt es sich um eine so genannte schlafende Überfunktion (latente Hyperthyreose). Umgekehrt liegt eine schlafende Unterfunktion (latente Hypothyreose) vor, wenn der TSH-Wert schon erhöht ist und die Schilddrüsenwerte noch normal sind. Der TSH-Wert ist auch hilfreich bei der Beurteilung, ob eine Schilddrüsenfunktionsstörung durch eine Störung in der Schilddrüse selbst oder in der Hirnanhan gdrüse verursacht wird.

  • T3/T4-Werte:
    Dabei wird die freie Menge der wichtigsten Schilddrüsenhormone im Blut gemessen. Dadurch kann festgestellt werden, ob tatsächlich eiine Über- oder Unterfunktion besteht (manifeste Hyper- bzw. Hypothyreose).

  • Antikörper-Spiegel:
    Es gibt eine Reihe verschiedener Antikörper gegen bestimmte Bestandteile der Schilddrüse oder anderer wichtigerer Substanzen im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenerkrankung. Diese Antikörper können im Blut bestimmt werden. Der Nachweis oder die Erhöhung bestimmter Antikörper kann sehr charakteristisch für bestimmte Erkrankungen sein (z.B. TRAK bei Morbus Basedow, TPO bei der Hashimoto-Thyreoiditis). Es gibt allerdings nicht selten Überschneidungen. Manchmal findet sich eine Erhöhung bestimmter Werte auch bei Gesunden. Daher muss bei der Bewertung der Einzelwerte immer auch die gesamte Befundkonstellation berücksichtigt werden.

Im Labor werden die Blutwerte untersucht.
Bei allen Blutuntersuchungen ist es grundsätzlich wichtig zu wissen, dass nicht die reinen Testergebnisse an sich, sondern eine medizinisch fundierte Bewertung in Zusammenschau aller Befunde entscheidend ist.

Neben natürlichen Schwankungen (z. B. während der Schwangerschaft) können die Testergebnisse auch durch schilddrüsenunabhängige äußere Faktoren wie etwa die Einnahme von Schmerzmitteln mit Acetylsalizylsäure (z. B. Aspirin), Kortisonpräparate oder die Antibabypille beeinflusst werden. Dies sollte in einem ausführlichen Patientengespräch zur Sprache kommen.

Feinnadelpunktion
Bei dieser Methode werden durch eine dünne Hohlnadel winzige Gewebeteile aus der Schilddrüse entnommen. Die Nadel wird mit Hilfe von Ultraschall an der gewünschten Stelle positioniert. Mittels Unterdruck können einzelne Zellen herausgesaugt und zur Untersuchung in ein Speziallabor gegeben werden. Die Punktion wird meist zur Abklärung krebsverdächtiger Knoten eingesetzt und kann unter Umständen hilfreiche Hinweise ergeben. Ein definitiver Ausschluss von Bösartigkeit ist dadurch leider nicht möglich.

Wann ist eine Schilddrüsenoperation notwendig?

Die Notwendigkeit einer Schilddrüsenoperation ist in manchen Fällen eindeutig und dringlich, in anderen relativ und nicht so eilig. Ob und wie zügig eine Operation ansteht, darüber entscheiden die konkrete Art der Erkrankung, die Befundkonstellation und nicht zuletzt auch der Wunsch des Patienten selbst.
Eine eindeutige (absolute) Operationspflicht besteht in der Regel bei jedem Verdacht auf eine bösartige Erkrankung. Eine Schilddrüsenoperation kann aber auch bei gutartigen Erkrankungen erforderlich oder wenigstens empfehlenswert sein.

Mögliche Gründe für eine Schilddrüsenoperation:

  • Krebs und Krebsverdacht („suspekter Knoten")
  • Schilddrüsenvergrößerung (Struma)
  • Drüsenwucherung (Adenom)
  • Hohlraumbildung (Zyste)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Morbus Basedow
  • Schilddrüsenentzündung

Ncht selten bestehen gleichzeitig mehrere Gründe für eine Operation, wobei es jeweils unterschiedlich starke Argumente für oder gegen einen operativen Eingriff geben kann. Neben objektiven Faktoren (wie z.B. Einengung der Luftröhre, Ausdehnung der Schilddrüse in den Brustkorb), spielen auch subjektive Faktoren wie Beschwerden oder der Wunsch des Patienten nach zweifelsfreier feingeweblicher Klärung eine Rolle.

Bei der Entscheidung pro oder kontra Operation sollten außerdem mögliche Behandlungsalternativen erörtert werden. Diese gibt es z.B. bei einer Überfunktion, die als Einzelbefund auch durch eine Radiojodtherapie oder eine rein medikamentöse Behandlung unter Kontrolle gebracht werden kann.
Bei einer großen Struma hingegen ist ein operativer Eingriff eindeutig die erste Therapieempfehlung. Nur wenn gewichtige Gründe gegen eine Operation sprächen (z.B. ein zu hohes Operationsrisiko bei kranken Patienten) oder der Patient eine Operation ablehnt, wäre ein alternativer Verkleinerungsversuch mit Radiojod ratsam.

Gute Gründe für eine Operation
Die Operation ist die einzige Behandlung, bei der sich der gewünschte Effekt (z.B. Größenreduktion, Beseitigung der Hormonproduktion) unmittelbar einstellt. Bei der Schilddrüsenoperation können alle krankhaften Veränderungen (z.B. heiße, warme und kalte Knoten) gleichzeitig behandelt werden. Zudem ist bei der Operation eine individuelle und befundorientierte Behandlung möglich: von der sparsamen Teilentfernung eines Lappens bis zur kompletten Entfernung der Schilddrüse. Und schließlich kann nur über eine mikroskopische Untersuchung des operativ entnommenen Schilddrüsengewebes durch einen Pathologen über Gut- und Bösartigkeit zweifelsfrei entschieden werden.

Welche Risiken birgt eine OP?

Bei einem erfahrenen Operateur verläuft eine Schilddrüsenoperation in der Regel komplikationslos. Das allgemeine Operationsrisiko (für Lungenentzündungen, Thrombosen, Herzinfarkte etc.) ist minimal und die OP-Sterblichkeit geht gegen Null. Allgemeine Komplikationen treten in guten Kliniken in einer Gesamthäufigkeit von weniger als 5 Prozent auf.

Wundheilungsstörung, Infektion
Trotz aller Vorkehrungen und Fortschritte verbleibt auch bei einer Schilddrüsenoperation ein minimales Restrisiko für eine Entzündung oder gestörte Wundheilung. Dieses liegt jedoch unter 2 Prozent. Die meisten Infektionen heilen unter lokaler Behandlung rasch und folgenlos aus.

Blutung, Bluterguss
Auch kleinere Blutungen oder eine Blutergussbildung können nach einer Schilddrüsenoperation auftreten. Hierdurch kann es zu unangenehmen Druckgefühlen oder zu Problemen beim Atmen kommen. Solche Blutergüsse werden operativ durch den bereits bestehenden Hautschnitt entfernt. Lebensbedrohliche Blutungen sind sehr selten.

Stimm- und Sprachstörungen
Spezielle Risiken bei Schilddrüsenoperationen sind die Verletzung der kleinen Nebenschilddrüsen sowie Stimm- und Sprachstörungen: Durch die unmittelbare anatomische Nachbarschaft der Schilddrüse zum Kehlkopf und den Stimmbandnerven kann es bei der Operation zu verschiedenen Auswirkungen auf die Stimm- und Sprachbildung kommen.

Operations- und narkosebedingte Schwellungen und Reizzustände im Halsbereich bilden sich meist innerhalb weniger Tage zurück. Bei der Schädigung eines Stimmbandnervs kommt es dagegen zu einer Lähmung des zugehörigen Stimmbandes (Recurrensparese). Ist nur eine Seite geschädigt, kann der Patient zwar sprechen und sich mitteilen. Die Stimme klingt jedoch meist heiser bis krächzend. Sind beide Stimmbänder gelähmt (sehr selten), kann zusätzlich Atemnot auftreten. In diesem Fall kann ein so genannter Luftröhrenschnitt (Tracheostoma) erforderlich sein.

Je nach Schädigungsursache erholen sich die meisten Paresen wieder von selbst. Sollte es nicht zu einer vollständigen Wiederherstellung der Stimmqualität kommen, kann durch eine gute Stimm- und Sprachtherapie (Logopädie) in der Regel ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden.

Das Risiko für eine Nervenverletzung hängt auch von den Operationsverhältnissen ab. Wiederholungs- und Krebsoperationen oder Eingriffe bei sehr großen Strumen gehen im Allgemeinen mit einer höheren Gefährdung einher. Trotzdem liegt das Verletzungsrisiko für den Stimmbandnerv bei exzellenten Operateuren im Durchschnitt nicht über 1 Prozent.

Die Angst vor Stimm- und Sprachstörungen ist bei vielen Patienten groß, aber in der Hand versierter Chirurgen in der Regel unbegründet.

Kalziummangel
Auch die Nebenschilddrüsen liegen anatomisch sehr nahe an der Schilddrüse und können daher bei ausgedehnten Operationen unbeabsichtigt beschädigt oder entfernt werden.

In den Nebenschilddrüsen wird Parathormon gebildet. Dieses Hormon steuert die Blutkonzentration von Kalzium, wodurch wiederum die Nerven- und Muskelfunktion sowie der Knochenstoffwechsel beeinflusst werden. Kommt es durch die OP zu einem Mangel an Parathormon (Hypoparathyreoidismus), fällt die Kalziumkonzentration im Blut ab. In Folge stellen sich Missempfindungen wie Kribbelgefühle oder Muskelkrämpfe ein, die medikamentös durch Calcium- und/oder Vitamin-D-Präparate behandelt werden.
Das Risiko für diese Komplikation variiert je nach Operationsverfahren, liegt bei einem erfahrenen Schilddrüsenspezialisten jedoch bei allenfalls 1 Prozent.

Wie wird operiert?

Ein zentrales Anliegen der modernen Schilddrüsenchirurgie ist die größtmögliche Schonung verletzlicher Strukturen, wie der feinen Stimmbandnerven oder der kleinen Nebenschilddrüsen. Diese Strukturen können durch Hilfsmittel optisch vergrößert und auf diese Weise besser erkannt und geschützt werden. Zur Vergrößerung gibt es Lupenbrillen in verschiedenen Vergrößerungsstufen und Operationsmikroskope.
Kommen zudem sehr feine Operationsinstrumente zum Einsatz, können wichtige Teile des chirurgischen Eingriffs in mikrochirurgischer Operationstechnik erfolgen. Das ist hilfreich, wenn z.B. ein Stimmbandnerv behutsam aus Verwachsungen und Knoten oder ihn umgebenden Tumoren herausgelöst werden muss.

Intraoperatives Neuromonitoring
Eine zusätzliche Hilfe zur Schonung von Nerven ermöglicht das intraoperative Neuromonitoring. Dabei wird nach dem Prinzip „Stimulation und Reizantwort" verfahren. Über eine feine Sonde kann der Operateur während des Eingriffs regelmäßig minimale Stromstöße abgeben. Handelt es sich bei der gereizten Struktur um den Stimmbandnerv und ist dieser intakt, leitet der Nerv den Impuls seiner Aufgabe entsprechend an den zuständigen Kehlkopfmuskel weiter und es kommt zu einer Öffnung des Stimmbandes.

Dies wird heute in der Regel über einen speziellen Beatmungstubus kontrolliert. Der Tubus ist ein Silikonschlauch, der bei jeder Vollnarkose zur Beatmung des Patienten zwischen seinen Stimmbändern hindurch in die Luftröhre eingeführt wird. Für das Neuromonitoring sind auf Höhe der Stimmbänder feine Elektroden eingearbeitet. So kann sich der Arzt zu jedem Zeitpunkt von der Funktionsfähigkeit des Regelkreises überzeugen und die Operationstaktik anpassen.

Die Technik wird an vielen Krankenhäusern bereits routinemäßig eingesetzt. Allerdings ist das Neuromonitoring eine sehr sensible und auch störanfällige Methode. Und gibt keine 100-prozentige Genauigkeit.

Schonung der Nebenschilddrüsen
Neben den zarten Stimmbandnerven gilt die Aufmerksamkeit des Operateurs darüber hinaus den kleinen Nebenschilddrüsen. Manchmal haben sie keine eigenständige Blutversorgung, sondern werden von Blutgefäßen der Schilddrüse versorgt. Dann kann es nach dem Entfernen des Organs zu einer Minderdurchblutung der Nebenschilddrüsen kommen. Durch die Möglichkeit der intraoperativen Parathormonbestimmung kann ein Hormonabfall bereits während der Operation erkannt oder ausgeschlossen werden.

Die Funktionstüchtigkeit einer schlecht durchbluteten Nebenschilddrüse kann durch eine Auto-Replantation gerettet werden. Dazu wird eine solche Nebenschilddrüse zunächst entfernt, in viele Gewebestücke zerkleinert und in eine gut durchblutende Muskeltasche im Operationsgebiet wieder eingepflanzt. Es ist auch möglich, das Nebenschilddrüsengewebe bei großer Kälte einzufrieren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzupflanzen. Ist dies erfolgreich, wird auch an der neuen Stelle Parathormon gebildet.

Operationsverfahren
Durch den chirurgischen Eingriff sollen alle krankhaften Veränderungen der Schilddrüse sicher und zuverlässig entfernt werden. Denn auch bei gutartigen Erkrankungen gibt es ein Rückfallrisiko. Bei der reinen Knotenausschälung gab es im Langzeitverlauf statistisch gesehen bis zu 40 Prozent Wiederholungseingriffe. Um Wiederholungsoperationen zu vermeiden, wird deshalb bei vielen Erkrankungen eher mehr als zu wenig Gewebe entnommen. Dies gilt insbesondere bei Erkrankungen, die meist die gesamte Schilddrüse betreffen, z.B. Morbus Basedow, Struma multinodosa.

In der Regel wird erst während der Operation definitiv entschieden, ob und wie viel Gewebe entfernt werden muss. Denn manchmal werden hierbei mehr krankhafte Veränderungen festgestellt, als vor der Operation vermutet wurden. Dann sollte das Verfahren entsprechend angepasst werden. Die grundsätzliche Strategie und die möglichen Abweichungen werden vor der Operation mit dem Patienten abgestimmt.

Bei der Operation gutartiger Veränderungen kommen grundsätzlich alle klassischen Operationsverfahren zum Einsatz. Wenn nur ein Schilddrüsenlappen erkrankt und der andere gesund ist, erfolgt in der Regel nur eine einseitige Operation. Dann sollte der erkrankte Lappen am besten komplett entfernt werden (Hemithyreoidektomie). Das hat den Vorteil, dass diese Seite dauerhaft geheilt ist und an diesen Stimmbandnerven und Nebenschilddrüsen nie wieder operiert werden muss. Der verbliebene Schilddrüsenlappen kann die komplette Funktion der Schilddrüse nach einer gewissen Anpassungszeit übernehmen.

Häufig bestehen allerdings in beiden Schilddrüsenlappen krankhafte Veränderungen. Diese werden nach Möglichkeit gleichzeitig entfernt. Je nach Befund und Wunsch des Patienten werden dabei auf einer oder beiden Seiten mehr oder weniger große Schilddrüsenreste belassen oder die Schilddrüse komplett entfernt.

Bei der Entscheidung spielen auch operationstaktische Gesichtspunkte eine Rolle. Zur Vermeidung von Risiken und Komplikationen kann es in bestimmten Situationen sinnvoll sein, dass z.B. in der Nähe der Nebenschilddrüsen oder des Stimmbandnervs kein radikaler Eingriff erzwungen wird.

Vergleichbares gilt auch, wenn z.B. nach der Operation am ersten Schilddrüsenlappen nicht klar ist, ob der Stimmbandnerv noch richtig funktioniert. Um das andere Stimmband nicht zusätzlich zu gefährden und eine beidseitige Stimmbandlähmung zu vermeiden, wird auf der anderen Seite vorerst gar nicht oder nur defensiv operiert.

 

HEMITHYREOIDEKTOMIE: Bei der kompletten Lappenresektion wird nur der erkrankte Lappen entfernt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BEIDSEITS SUBTOTALE RESEKTION: Bei der subtotalen Schilddrüsenentfernung verbleiben auf beiden Seiten Reste von jeweils 1-4 Gramm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

OP NACH DUNHILL: Bei der "Operation nach Dunhill" erfolgt die komplette Entfernung des einen und die subtotale Resektion des anderen Lappens mit einem Geweberest von 1-4 Gramm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FAST-TOTALE THYREOIDEKTOMIE: Bei der fast-totalen Schilddrüsenentfernung bleibt auf einer oder beiden Seiten ein Geweberest von insgesamt weniger als 2 Gramm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TOTALE THYREOIDEKTOMIE: Wie der Name schon sagt, verbleibt bei der totalen Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie) kein Schilddrüsenrest.

 

 

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