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Mittwoch, 20. Mai 2020

Mitteilung zur finanziellen und strukturellen Krise

Unser Klinikum befindet sich in einer finanziellen und strukturellen Krise, die größer ist als ursprünglich gedacht und zuvor kommuniziert. Auf unsere medizinische und pflegerische Versorgung hat dies keine Auswirkungen – wir sind weiterhin täglich 24 Stunden für unsere Patientinnen und Patienten da.

In den nächsten drei Jahren werden wir unser Krankenhaus neu aufstellen. Das Potenzial dazu haben wir, daher gibt es auch ein umfangreiches Sanierungsgutachten, das wir jetzt möglichst schnell anfangen wollen, umzusetzen - wenn die zuständigen Gremien im Juni grünes Licht dazu geben.

Presseinformation Stadt Soest und KlinikumStadtSoest vom 20.05.2020, 11 Uhr

Finanzielle und strukturelle Krise erheblich größer als gedacht


Gutachten bestätigt Liquiditätsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe und die Notwendigkeit umfangreicher Restrukturierungsmaßnahmen


Bürgermeister und Geschäftsführer appellieren an die Politik, mit einer mutigen Entscheidung zur Stabilisierung und zum dauerhaften Erhalt des Klinikums beizutragen

 

Soest. Der Aufsichtsrat der Klinikum Stadt Soest gGmbH hat am 19. Mai 2020 durch ein Sanierungs- und Restrukturierungsgutachten, das bei dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG in Auftrag gegeben worden war, bestätigt bekommen, was sich in den letzten zwei Jahren abgezeichnet hat: Das Haus befindet sich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die noch größer ist als bisher angenommen.

Sven Freytag (57), Interim-Geschäftsführer des Klinikums Stadt Soest, hat im Auftrag der Stadt seit Januar jeden Bereich des Krankenhauses durchleuchtet und dabei größere finanzielle und strukturelle Lücken entdeckt als bislang angenommen. Bereits Mitte Januar offenbarte sich eine ernsthafte Liquiditätskrise mit drohender Zahlungsunfähigkeit, die eine sofortige Finanzspritze von 2,3 Millionen Euro und weiteren 2,45 Millionen Euro durch die Stadt Soest im April erforderlich machte.

Das vorliegende Gutachten bestätigt nun die Analyse in allen Punkten und zeigt fundierte Maßnahmen zu einer Sanierung und Neuausrichtung auf. Im ersten Schritt geht es um die weitere Stabilisierung der Liquidität in Höhe von bis zu 9 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren durch die Stadt und um dringend benötigte Verlängerungen von Kreditlinien durch die Banken in Höhe von 6 Millionen Euro. Diese werden als flankierende Liquidität in dem dreijährigen Restrukturierungsprozess benötigt. Sie sind an ein ausverhandeltes und von der Politik genehmigtes Sanierungskonzept geknüpft. Die Stadt als Gesellschafter, die Banken und das Klinikum selbst werden einen substanziellen Beitrag leisten müssen, um das Krankenhaus wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Das Konzept muss durch mehrere Gremien, bevor der Rat der Stadt Soest darüber entscheidet. Da das Krankenhaus für die Menschen und die Gesundheitsversorgung in der Stadt und Region eine überragende Bedeutung hat, appellieren Geschäftsführung und Bürgermeister an die Politik, mit einer mutigen Entscheidung zur Stabilisierung und zum dauerhaften Erhalt des Klinikums beizutragen. Laut Gutachten besitzt das Klinikum nach Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen weiterhin gutes Potenzial, sich in Zukunft als Generationenkrankenhaus erfolgreich in der Region zu behaupten.

 

Managementfehler und Rahmenbedingungen sind die Ursache

Der Krankenhausmanager und gelernte Krankenpfleger, Sven Freytag, mit langjähriger Erfahrung in der Restrukturierung von Krankenhäusern, ist gezielt für die Aufgabe geholt worden, sämtliche Geschäftsvorgänge mit einem neutralen Blick von außen unter die Lupe zu nehmen und neu zu bewerten. Im Laufe der Jahre verloren gegangene Transparenz soll so wiederhergestellt werden. Die nun ans Tageslicht gekommene Wahrheit schockiert alle Beteiligten.

Freytag ist bei seiner Analyse und den eingeleiteten ersten Maßnahmen ein Punkt besonders wichtig zu betonen: „Managementfehler, Intransparenz und Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen haben das Klinikum in diese Lage gebracht – nicht die Mitarbeiter!", so der Geschäftsführer. Ziel müsse es nun sein, die Aufgaben auf Basis des Sanierungsgutachtens der KPMG möglichst schnell anzupacken und dabei alle Beteiligten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soweit wie möglich eng einzubeziehen.

„Das Klinikum muss dauerhaft eine branchenübliche Ertragskraft erreichen, um wettbewerbsfähig zu werden", so der Krankenhausmanager und führt weiter aus: „Um das Krankenhaus mit seinen Arbeitsplätzen in der Medizin und Pflege langfristig zu erhalten, muss es finanziell eine gewisse Unabhängigkeit vom Tropf der Stadt erlangen. Gemeinsam müssen wir es schaffen, dass das Krankenhaus aus eigener Kraft so viel erwirtschaftet, dass es sich neue Pläne für die Zukunft erlauben kann."

 

Erhalt des Klinikums ist Gemeinschaftsaufgabe

Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer, der die Stadt Soest als Gesellschafter des Klinikums vertritt, teilt die Einschätzung des Geschäftsführers. Gleichzeitig hofft er darauf, dass die politischen Gremien den komplexen Sanierungsprozess mit der dringend notwendigen Sachlichkeit beraten.

Für die dringend erforderlichen Maßnahmen sei die aktuell von den Fraktionen der SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und SO-Partei vorgeschlagene Option, die Krankenhausimmobilie durch die Stadt zu erwerben, nicht ausreichend, da sie keine Lösung für das strukturelle Defizit des Klinikums biete. Alle Anregungen würden im Zusammenhang mit dem Restrukturierungskonzept jedoch sachlich geprüft und dann abschließend bewertet. Er erläutert, welche Schritte in welcher Reihenfolge kurzfristig erforderlich seien:

  • Zügiges Einleiten einer Grundsanierung durch Fachleute wie Sven Freytag, der KPMG und den Banken, die Erfahrung mit Restrukturierungen haben und das nötige Know-how bei der Umsetzung.
  • Verzögerungen unbedingt vermeiden, betriebswirtschaftlich entscheiden und Diskussionen über Details und nachgelagerte Schritte verschieben.
  • Nahtlose Aufklärung aller Vorgänge, die zu dem Dilemma geführt haben.

Dr. Ruthemeyer appelliert an die Politik: „Wir müssen jetzt das große Ganze sehen und strategisch die richtigen Weichen stellen, statt einzelne Vorgänge zu diskutieren." Wichtig sei vor allem, das Klinikum wegen seiner herausragenden Bedeutung für die Menschen und die Gesundheitsversorgung in der Stadt und Region weiterhin als Gemeinschaftsaufgabe zu betrachten. Ruthemeyer betont: „Wir müssen es schaffen, das Klinikum in den kommenden drei Jahren betriebswirtschaftlich, strukturell, organisatorisch und auch kulturell neu aufzustellen, um es als kommunales Krankenhaus für den Gesundheitsstandort Soest zu erhalten."

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